Zum dritten Mal besuchte ich das Straßburger Comicfestival „Strasbulles – Festival Européen de la Bande Dessinée de Strasbourg“, das mit seiner sechsten Auflage zum festen Bestandteil der französischen Festivalkultur der Bande Desinée geworden ist. Über Straßburg selbst muss man wohl kaum viele Worte verlieren. Oder doch?

Die Stadt und die Region Elsass können sicherlich viele Geschichten aus jüngerer und längst vergangener Zeit erzählen.

Heute präsentiert sich Straßburg als weltoffene Stadt, die allemal einen Besuch auch außerhalb des Comicwochenendes wert ist. Wer gut essen und trinken will, ist hier allemal gut aufgehoben. Sei es nun in einem kleinen Café mit selbstgebackenem Kuchen und fruchtigen Tartes oder in einer der zahlreichen größeren und kleineren Restaurants in unmittelbarer Nähe des Straßburger Münsters, das ebenfalls einen Besuch wert ist.

Doch zurück zum Comicfestival. Wie auch bei deutschen Messen und Events gibt es weitaus mehr, als nur das Treffen mit Autoren und Zeichnern sowie diverse Stände mit Comics, Drucken und Devotionalien. Diskussionsforen, Ausstellungen und vieles mehr finden sich rund um den zentralen Ort des Geschehens, dem Place Kléber, auf dem große weiße Zelte die verschiedenen Aktivitäten beherbergen.

Die Hauptattraktion für die meisten Besucher und Besucherinnen war, wie könnte es auch anders sein, die angereisten Zeichner, die sich sowohl am Samstag als auch am Sonntag im großen Salon de l’Aubette am Place Kléber ein Stelldichein an großen runden Tischen gaben.

Allein diese Atmosphäre unterscheidet das Straßburger Festival von vielen deutschen Veranstaltungen. Trotz guter Besucherzahlen und attraktiver Gäste geht es hier ruhig, gar gemächlich zu. Kein Drängeln, kein Schubsen, keine Hektik, kein anderes Bier, ist man geneigt zu sagen.

Information ist alles, denn die Zeiten und Orte stehen auf einer großen Tafel im Eingangsbereich des Festivals auf dem Place Kléber.

Den „Großen“ des Business ist der Hauptsaal vorbehalten, während regionale und Independent Künstler draußen in den Zelten ihre Arbeiten präsentieren, was bei strahlendem Sonnenschein sicherlich nicht die schlechtere Variante war, zumal die Erfrischungsstände in unmittelbarer Nähe zum Entspannen und Fachsimpeln einluden.

Im hellen und schlicht dekorierten Veranstaltungssaal waren mehrere runde Tische sowie zwei lange Tafeln für die Künstler und den Verkaufsstand der Sponsorbuchhandlung aufgebaut. Auf den Tischen wiesen an Luftballons befestigte Namensschildchen darauf hin, welcher Künstler dort vorzufinden war.

Ein kleiner Auszug aus der Gästeliste: Cyril Bonin (Wer Wind sät), François Corteggiani & Emanuele Barison (Tatjana K.), Laurent Verron (Boule & Bill), Enrico Marini (Skorpion, Die Adler Roms, Gipsy), Frank Pé (Zoo), Emmanuel Michalak (Aslak), Theo (Der schreckliche Papst, Der tönerne Thron) und noch viele mehr, wobei in diesem Jahr der Anteil der Künstler, die auch in Deutschland veröffentlicht haben, etwas geringer als bei vorangegangenen Festivals war.

Doch das schadete dem Ambiente und der Atmosphäre in keinster Weise.

Wie bereits erwähnt, geht es deutlich ruhiger als bei deutschen Veranstaltungen zu. Die Bedingungen für eine Widmung waren nur, dass man ein Buch von der Partnerbuchhandlung kaufen und frühzeitig am Tisch sitzen musste. Da die meisten Künstler an beiden Tagen sowohl vormittags als auch nachmittags anwesend waren (pro Sitzung waren circa acht Widmungen möglich), sollte fast jeder seine Wunschdedicace ergattert haben.

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Als Stargast bildete Enrico Marini allerdings eine Ausnahme, denn seine Widmungen wurden in der Mittagspause am Samstag verlost, sonst wäre der Andrang bei ihm wohl auch zu groß geworden. Man nimmt also am runden Tisch Platz und kann in aller Ruhe verfolgen, wie geradezu liebevoll Zeichnung um Zeichnung zelebriert wird und sich die Künstler für ein Gespräch nicht zu schade sind. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Emmanuel Michalak, der von der Verarbeitung seiner deutschen Ausgabe überaus angetan war, sowie Theo, der filigran Widmungen entwarf und jedem das Gefühl gab, dass es etwas ganz besonderes wäre.

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Mein persönlicher Höhepunkt war allerdings der wohl schon traditionelle Liveact von Frank Pé und Laurent Verron, die an beiden Tagen gemeinsame Bilder malten. Dabei ist es für mich als talentfreien Zeichner faszinierend zu sehen, wie aus ein paar vermeintlich hingekritzelten Umrissen plötzlich Tiere sowie Bewegungen entstehen und die Bilder zu leben beginnen. Seien es nun ein Zebra von Pé, das mit Pinsel bewaffnet einem Elefanten von Verron ein paar Streifen anmalt, oder die beiden völlig unterschiedlichen Tiger mit gänzlich anderen Gesichtszügen.

Während Pé für meine Begriffe sehr am Original arbeitet, haben Verrons Tiere etwas Comichafteres, was die Bilder kecker macht. Um die beiden und ihre Leinwand scharrten sich dann auch immer die Besucher, die mit staunenden Augen das Geschehen verfolgten. Alle vor Ort gemalten Kunstwerke (so möchte ich sie auch wirklich betiteln) waren käuflich zu erwerben. Wenn man das nötige Kleingeld hat, sollte man sich den Kauf gut aber vor allem schnell überlegen, denn je nach Motiv kann es durchaus mehrere Bewerber geben und dann zählt das erste Gebot. Über Preise spricht man zwar nicht, doch ist es auf jeden Fall günstiger als in einer auf Comickunst spezialisierten Galerie, wenn man denn überhaupt an ein Kooperationswerk rankommt. Auch Frank Pés Künstlermappe ist eine nähere Betrachtung wert. Hier versammeln sich gut ein Dutzend von ihm allein gemalte Bilder (Geparden, Tiger, Zebras, Nashörner, Affen etc.), die man mit dem nötigen Kleingeld ebenfalls erwerben kann.

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Doch genug der Schwärmerei. Das Comicfestival in Straßburg ist für mich ein Muss und es macht einfach nur Spaß, eine völlig andere Atmosphäre als bei deutschen Veranstaltungen erleben zu dürfen. Für Fragen, auch kulinarischer Art, stehe ich im Comicforum gerne zur Verfügung.

Euer Apobandicoot